Gedanken über die Pellkartoffel

Pellkartoffeln erträumen

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Wer kennt ihn nicht, diesen Geruch von gekochten Kartoffeln, der einem mit seiner ganzen erdigen Intensität in die Nase steigt und sich dann wohlig im Gehirn verbreitet. Wie ein herbstlicher Nebel sich über eine Landschaft legt, ummantelt er die Wahrnehmung und ruft, weckt Gefühle, Gedanken, Eindrücke auf, die wir seit langer Zeit in den Windungen unseres Selbst abgelegt haben. Selbstgefällig, jener sich wohlig ausbreitenden Selbstgefälligkeit hingebend, die wir aus vergangenen Zeiten, in einem verborgenen Winkel unserer Seele abgelegt haben. Sich erinnernd an jene Tage, an den morgendlichen Spaziergang in den Garten, um sich die Kräuter für den Quark zu besorgen. Am Rockzipfel hängend, bettelnd um Sauerampfer, der die Gesichtszüge mit Zuckungen von nicht enden wollenden Grimassen begleitet, fröhliches Lachen, provozierende Sprünge und kleine Jauchzer von sich gebend, trollen wir umher. Zurückgeholt dann, ein kurzes scharfes Wort, der Moment verstreicht und wir ergeben uns der Aufgabe des pflücken von Schnittlauch, Petersilie, Kerbel, Sauerampfer. Zurück im wohligen Dampf der Küche, die Kräuter gehackt, wir helfen wollend, quengelnd das Umrühren des Quarks beobachtend. Augen, tränend verschwommen vom Schneiden der Zwiebel, bittend, die Schüssel ausschlecken zu dürfen mit dem so leckeren Quark, mehr Spaß bereitet das, als das schnöde Sitzen am Tisch. Was wissen denn die Erwachsenen vom Ausschlecken einer Schüssel?

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